Al DeLoner – eine Einführung


Gesegnet sei der, der der tiefen Empfindung fähig ist. Ob die Melancholie nun das Resultat der unausgewogenen Verteilung von Körpersäften, ein Übermaß an „schwarzer Galle“ ist, oder auch das Ergebnis unüberwindbarer Spannungen zwischen Trivialität und Genialität, sei dahingestellt. Sie ist, wie es Victor Hugo bereits treffend beschrieb „das Vergnügen traurig zu sein“.

Mit „Itchy and the Girl Dancing“ veröffentlicht der norwegische Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist Al DeLoner bereits sein fünftes Soloalbum, welches wie ein heller Stern durch die dunkle Jahreszeit zu tanzen scheint.

Nach zwei Jahrzehnten Schaffenskraft genießt der Ausnahmekünstler Kultstatus. 1994 gründet er zusammen mit seinem Bruder Ron Olsen und dem talentierten Sänger Paal Flaata die Band Midnight Choir und veröffentlicht im Verlauf der nächsten zehn Jahre fünf Studioalben. DeLoner komponiert und schreibt einen Großteil der düster-melancholischen Songs und begleitet Flaata’s Engelsstimme an Klavier und Gitarre. „Amsterdam Stranded“ wurde 1998 mit dem Spellemannpreis (Norwegens Äquivalent zum Us- amerikanischen Grammy) ausgezeichnet und zieht internationale Erfolge nach sich.

Nachdem sich Midnight Choir 2004 auflöst, packt DeLoner seine Songs ein und produziert im heimischen Wohnzimmer sein erstes Soloalbum „The Mess Age is Joy“, welchem er nun seine ganz eigene rauchig-trunkene Stimme verleiht. 2005 zieht es ihn nach Deutschland, wo er mit verschieden Gastmusikern u.a. Ringo Fire, Adam Sky und dem kurz darauf verstorbenen Nikki Sudden das stimmungsgeladene „Flora in the Darkroom“ produziert. Dieses Album glänzt mit steinerweichenden Balladen („Wake Me Up“), aggressiv-rockigen Evergreens („Revenge“) und Songs voller Spielfreude und Fantasie („Watertest“).

DeLoner lässt 
Elemente aus Jazz, Folk, Ballade und Blues miteinander verschmelzen. Er tourt durch Norwegen, Deutschland und Frankreich. Seine Performance vor grandioser Kulisse im französischen Lyon (Facteur Cheval) 2010 sowie die Auftritte in der Dresdner Dreikönigskirche und beim WDR Rockpalast gelten als legendär.

Nach „Volume 3“(2007) und dem sehr ruhigen „Mountains on the Moon“ (2008) erscheint nun ein ein vergleichsweise heiteres Album, welches an Grandeur, musikalischer Finesse und Inhaltsfülle seinen Vorgängern in keinster Weise nachsteht. Auch „Itchy and the Girl Dancing“ reflektiert Grundlagen des „Mensch-Seins“, die stetige Herausforderung im geschlossenen Raum gesellschaftlich automatisierter Existenz ein Fenster für individuelle Leidenschaften, Schönheit und Liebe gerade soweit zu öffnen, dass wir den frischen Wind atmen, die strahlende Sonne fühlen und das Gezwitscher der Vögel hören können, aber doch nicht Gefahr laufen uns gefährlich weit hinauszulehnen. Während „Flora in the Darkroom“ den Zustand der Beschränkung noch jugendlich lamentiert, gleicht „Itchy and the Girl Dancing“ einem Flug durch die genüssliche Welt tiefer Emotionen und feiert den Kompromiss: die Freiheit von Freiheit zu träumen und den kreativen Anspruch des Künstlers das Unaussprechliche zu vermitteln.

Das nordische Multitalent schafft, was nur wenigen gelingt: Atmosphäre. Seine Musik generiert Luft und Raum das Leben spielerisch zu begreifen.

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