Grand Ouvert – Al DeLoner veröffentlicht Best-of-Scheibe

All dies undurchsichtige menschliche Treiben, das ewige Streben und dieser hallende Lärm in der Welt erliegen dem Augenblick, in welchem DeLoners magische Stimme ihren Schleier sanft um dein Bewusstsein hüllt. Jeder Ort verwandelt sich unwillkürlich in jene spärlich beleuchtete kleine Bar, deren dunkelgrünen Wänden es ab und an erlaubt sein soll die Grenzen deiner Welt abzustecken. Der Kneiper sitzt bereits selbst mit den letzten einsamen Seelen am Tresen und beobachtet apathisch das leichte Wogen der braunen Brühe in seinem warmen Glas. Der Ofen ist längst aus und du sitzt mit drei oder vier namenlosen  Gesichtern seit Stunden um den selben maroden Holztisch. Die Aschenbecher quillen über, die klammen Bierdeckel erfüllen längst nicht mehr ihren Zweck. In der Mitte liegen zwei Karten. Du hast weitere zehn auf der Hand, nippst an deinem Glas und blickst in die gläsernen Augen deiner Mitspieler, die dir nie wieder näher stehen werden als in diesem Moment. Du schließt die Augen und lauschst der melancholischen Töne. Al’s „Postman Cheval“ läuft. Der Song erzählt die Geschichte eines Landbriefträgers, der einst nahe bei Lyon über drei Jahrzehnte hinweg auf seinem täglichen Arbeitsweg Steine sammelte, um sich daraus seinen eigenen kleinen Tempel für die Ewigkeit zu erbauen – ein Symbol der Macht menschlicher Hoffnung und Fanatsie. Du öffnest deine Augen und der berühmte Moment ist gekommen, wo du aus jedem wackligen Rot oder Grün versuchst ein Grand zu zaubern. Zwanzig Euro ärmer verlässt du die Lokalität in der Morgendämmerung. Ein guter Tag.
Zurück im Jetzt halte ich sie nochimmer in der Hand, die kürzlich veröffentlichte Best-of-Scheibe des norwegischen Ausnahmetalents. Die erlesene Songauswahl umspannt DeLoners Solokarriere von dem sehr ruhigen Debutalbum „The Message is Joy“ über das prachtvoll, vielseitige Meisterwerk „Flora in the Darkroom“ bis hin zu den jüngsten Singles „Coming Down“ und „Postman Cheval“. Wer die Alben bereits besitzt, darf sich auf 4 vormals unveröffentlichte Titel freuen, darunter ein einzigartiges Cover von Ozzy Osbourne’s Mr. Crowley.

Seine Musik ist keineswegs als nahrhaftes Futter für traurige Seelen zu verstehen, ganz im Gegenteil, ein jeder kann darin versinken, wenn er sich nur auf die schöne Kunst des Genießens versteht. Es sind schließlich die kleinen Momente, die der Existenz Leben einhauchen.

Al

Tracklist
1.   Coming Down
2.   Two Steps
3.   Watertest
4.   I met Daryl Hannah in a Dream (A Minor #1)
5.   Frankie & Lou
6.   San Francisco
7.   Mountains on the Moon
8.   Day by Day
9.   Louie the Cat
10. Wake Me Up

11. Painting the Town                                                    erhältlich bei amazon
12. Postman Cheval
13. It’s a Weary World
14. Mr. Crowley

(Byström Records)

Links zu weiteren relevanten Texten:

Biographie und „Live in Dresden“

Album Review „Itchy and the Girl Dancing“

Album Review „Flora in the Darkroom“ on amazon

Legendärer Gig vor einmaliger Kulisse (Facteur Cheval, France, 2010)

 

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