Nun auch noch ICH in Arkadien :6: Ein Hauch Florenz

13.5. 

Da mir in Bologna sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel immer direkt vor der Nase weg-fahren, komme ich erst gegen Mittag in Florenz an. Vier Tage bin ich nun unentwegt gelaufen, viele Kilometer davon, weil ich mich ständig verlaufe. Mein Körper wedelt längst mit der weißen Fahne, sendet Schmerz, um mich zur Ruhe zu zwingen. So humple ich regelrecht aus dem Zug, über den Bahnsteig und pausiere zunächst im ersten amerika-nischen Fastfoodrestaurant, welches sich vor den Türen anbietet. Dort esse ich überraschenderweise das leckerste mit Marmelade gefüllte Croissant aller Zeiten. Florenz ist gnädig. Der rote Touri-Cabrio-Doppeldecker erwartet mich bereits von Ungeduld geschüttelt wenige Meter neben der Tür. Ich zahle zwanzig Euro und, ahhhh, ich sitze wieder! Herrlich! Kopfhörer auf, Notizbuch auf den Schoß,  lächeln, zurücklehnen – keine fünf Minuten später erreichen wir die Haltestelle „La Croce“ – verdammt ich muss raus. Ich hatte vorab im Zug beim Durchblättern des Reiseführers entschieden mich aufgrund meiner Behinderung 800px-Eglise_santa_croceauf ein Bauwerk oder Museum einzuschränken und meine Wahl fiel eben auf die weltweit bedeutendste Franziskanerkirche. Ich positioniere mich zunächst auf dem hübschen Platz vor dem wuchtigen Komplex, bestaune die beeindruck-ende Mamorfassade und beachtliche Größe der gotischen Kirche aus angemessener Entfernung. Der Platz ist von kleinen Cafés und Restaurants gesäumt. Sonnenbrillen. Meine Augen folgen den betagten Gebäuden hinab in die kleinen Gassen, die sich hier und da vom Platz weg schlängeln. Verfalls-Romantik die Zweite. Vor dem Eingang der Kirche wacht Dante, der mit seiner Divina Commedia (Göttlichen Komödie) eines der bedeutendsten Werke italienischer Dichtung schuf und im selben Atemzug seiner Muttersprache den Weg in die Literatur ebnete. Drin angekommen, spüre ich wenig Kirche, aber viel Museum. Tatsächlich wird La Croce auch eher alsIMG_7896 solches genutzt. Hier findet man zahlreiche Monumente berühmter Italiener, unter anderem das Grab Michelangelos sowie die letzte Ruhestätte des Astronomen Galileo Galilei. Wundervolle Fresken italienischer Meister wie Giotto und Gadda zieren die prachtvollen Kapellen und wieder stockt mir der Atem beim Anblick der ein oder anderen Perle der Bildhauerei. Wohin man schaut, wohin man tritt, jedes Detail wirkt von göttlichen Händen geformt. IMG_7893

Überfüllt steige ich wieder in den Bus, der mich auch hier wieder direkt abfängt und fahre weiter hinauf zum Piazzale Michelangelo, von welchem aus man einen unvergesslichen Blick über die Stadt werfen und einen Eindruck von Aufbau, Größe und Lage gewinnen kann: im Hintergrund Berge, die Dächer der Stadt und der über jene weit hinausragende Dom im historischen Stadtzentrum, der Fluss Arno, der das „Juwel der Renaissance“ von Ost nach West durchquert sowie auch die berühmte Ponte Veccio mit den darauf thronenden Arkadengeschäften. Auf dem Rückweg passieren wir zahlreiche auf dem Hügel gelegene Villen. Der Mann im Kopfhörer bombardiert mich mit Informationen über das Medici-Geschlecht und andere wichtige Zeitzeugen der Stadt, dieIMG_7866 mal rechts und mal links der Straße irgendwo ihre unvergessenen Exkremente verstreut haben. Wie schön. Ich mache noch einen kurzen Abstecher zum Dom. Der Anblick der Fassade zwingt mich den Buchstaben P (ja, auch in Sachsen kennt man harte Konsonanten!) aspiriert auszustoßen. Regen zieht auf und ich fahre zurück. Ein starkes Gefühl der Unvollständigkeit plagt mich und so beschließe Florenz, von dessen Schönheit und Reichtum ich in kaum vier Stunden nicht mehr als eine Ahnung erhaschen konnte in Bälde noch einmal zu besuchen.

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Ab morgen haben wir endlich ein Auto und fahren ins Grün. Fünf Tage Toskana und die Insel Elba stehen bevor. Wer nichts verpassen will, wirft seine Mailadresse einfach oben rechts in den Kasten und bekommt eine Info, wann immer ich den Knopf „publizieren“ betätige – wie fortschrittlich!

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