Nun auch noch ICH in Arkadien :8: Elba und die Zeit im Nacken

16.5.

© Mjobling/wiki

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Spontan bin ich der Meinung, es wäre eine gute Idee einen kurzen Abstecher auf die Insel Elba zu machen, die etwa zwei/drei Stun-den Autofahrt und eine Stunde mit der Fähre von Cortona entfernt im Mittelmeer schwimmt. Das hielt ich für machbar, insbesondere da sich das Wetter in den Bergen merklich zu verschlechtern begann und Elba laut Wetterfrosch am heutigen Frei-tag mit Sonnenschein gesegnet werden sollte. So mache ich mich gleich nach dem Frühstück auf den Weg. Die Toskana verfügt erfreulicherweise über ein ausgesprochen gut ausgebautes Autobahn- bzw. Schnellstraßennetz, welches die Region schier unsichtbar durchzieht ohne die Mittelalterromantik merklich zu stören. Ohne weitere Mautgebühren zahlen zu müssen, gelange ich also auf direktem Wege quer durch die dicht bewaldete, hüglige Region nach Piombino. Hier nun die Preise am Hafen betrachtend, kommt mir erstmalig der Gedanke, dass Spontanität nicht in jedem Falle sinnvoll sein muss, besonders dann nicht, wenn man doch rechnen muss. Ich lasse das Auto also aus Kostengründen am Hafen stehen. Von der Fähre aus erblicke ich das schöne Eiland erstmalig und bemerke den Fehler sofort. Die Insel ist viel größer als erwartet und ich habe weder Zeit noch Auto. Meine Laune verschlechtert sich schlagartig.
Etwas verloren stehe ich nun also am Hafen von Portoferraio. Es ist kurz vor eins, ich habe Hunger und sollte mich spätestens um fünf auf dem Rückweg befinden. Verzweiflung macht sich breit. Ich setze mich in die erstbeste W-Lan fähige Pizzeria, stille zunächst den körperlichen Appetit und beginne mich nun zu informieren, was man hier an einem halben Tag so machen kann. Etwas spät, wie wir finden. Bus zur Bucht klingt vielversprechend. Ich werfe mich in kurze Klamotten und verlasse fluchtartig das Etablissement. Es ist halb zwei. Schnell finde ich die Bushaltestelle, welche ihrem Namen alle Ehre macht, denn alle Busse halten, keiner fährt. Ich kotze. Auf der Bank höre ich zwei ältere Damen etwas in süddeutschem Dialekt murmeln. Ich spreche sie an und frage, ob hier in Laufreichweite ein Strand zu finden sei. Der nun folgenden Diskussion entnehme ich, dass es in der Nähe den Stadtstrand gibt, jedoch verlasse ich die beiden bevor sie sich einig werden, wo genau sie mich nun hinschicken wollen. Die grobe Richtung konnte ich herausfiltern, die Zeit läuft…

Erneut vorbei am Hafen finde ich den Strand auch tatsächlich innerhalb weniger Minuten.IMG_8084 Erste Erleichterung strömt ins Gemüt. Wasser! Schönes, klares Wasser! Horizont! Aber noch immer nicht wirk-lich den Aufwand wert. Ich setze mich in ein etwas erhöhtes Restaurant am Ende der Promenade, welche sich in einer langgezogenen Bucht ausdehnt. Ich trinke Kaffee, habe Kopf-schmerzen vom kühlen Wind, der mir hier am Wasser nun verstärkt um die Ohren braust. Frierend in meiner kurzen Hose und weiterhin etwas unzufrieden blicke ich mich um und entdecke die Linie zwischen Wasser und Land abgrasend linker Hand eine Bucht zwischen den Hügeln. Könnte man zu Fuß erreichen, denke ich mir und laufe los, auch auf die Gefahr hin, dass es sich um ein Privatgrundstück oder Hotel handeln könnte und ich vor verschlossenen Türen weinend zusammenbreche. Zu verlieren hatte ich nun aber auch nichts mehr. Ich schreite also bergauf vorbei an traumhaften Grundstücken in Hanglage, welche jedoch häufig durch dichte, hohe Zäune oder Mauern abgeschirmt werden. Man will wohl verhindern einen öffentlichen Eindruck davon zu vermitteln wie es sich mit dem nötigen Kleingeld so leben lässt….auf Elba.

IMG_8102Plötzlich sehe ich ein braunes Schild „Spiaggia Padulella“ in Richtung eines engen, kleinen Weges zeigend. Klingt nach Strand. Ich folge unterwürfig, steige ein schmales Treppchen den Felsen hinab bis sich mir plötzlich ein Anblick eröffnet, der alle Sorge und Zweifel in Luft auflöst. Genauge-nommen löste sich sogar die Luft auf, denn auch der kalte Wind schien mit einem Male wie weggeblasen. Meine Bucht! Wie im Bilderbuch. Ich steige hinab, setze mich auf die weißen vom Wasser gewaschenen Steine ganz nah an die Brandung und schreibe den Ausflug schließlich als gelungen ab, denn ich habe gefunden, was ich suchte. Klar gab es zahlreiche schöne Buchten auf der Insel, doch am Ende war ich glücklich in diesem Moment und so hatte ich nicht mehr das Verlangen weiter zu suchen. Ich zählte sechs Menschen und acht von den Wellen geschaukelte Möwen im Wasser. Rechts und links von mir Kalksteinfelsen mit grüner Mütze, geradehin klare blaue Brühe mit türkisfarbenen Flecken – was will man mehr. Ich reiße mir weitere Klamotten vom Leib, lege mich alle IMG_8117Viere ausgestreckt mit dem Kopf auf meinen Rucksack und lausche den Möwen und der Brandung, welche die großen und kleinen weißen Steine immer hin- und her rollt. Einen davon stecke ich mir noch in die Tasche bevor ich mich auf den Rückweg mache – er soll mich nun zukünftig daran erinnern nicht erneut auf die Idee zu kommen ohne Auto an einem Tag eine Insel erobern zu wollen. Napoleon hatte wenigstens ein Pferd.

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