Kunstwerk Biographie – Rüdiger Safranskis Portrait des Immerbewegten (Fazit)

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Dass es Rüdiger Safranski im Jahre 2013 mit einer fast 800 Seiten schweren Biographie über Johann Wolfgang von Goethe gelingt, die Spitze der gemeinen Top-Seller Charts zu stürmen, scheint doch auf den ersten Blick höchst erstaunlich?! Zum einen füllen Schriften von und über dieses „Ereignis in der Geschichte des deutschen Geistes“ ganze Bibliotheken, zum anderen überrascht es doch, dass das Interesse an Goethe auch 264 (heute auf den Tag 266) Jahre nach seinem Tod ungebrochen scheint. Das Geheimnis des großen Erfolgs dieser speziellen Biographie liegt jedoch in ihrer besonderen Struktur und Rezeptur. Denn so wie Goethe uns viel mehr sein kann als ’nur‘ Dichter, so kann dieses Buch uns auch um einiges mehr sein als ’nur‘ Biographie. Dies zumindest war ich bemüht in den vorangegangenen Artikeln (Teil 1Teil 2Teil 3) über dieses Kunstwerk über ein Kunstwerk, das einige Leben nennen, zu verdeutlichen.

Ähnlich wie es Goethe gelang, die vielen verschiedenen Stränge seines Lebens in einem „verborgenen Knoten“ zusammenzuführen, so gelang es Rüdiger Safranski ein Buch auf den Markt zu bringen, welches Lebensbeschreibung, Werkanalyse, Ratgeber und Fachbuch virtuos miteinander vereint und den Knoten einfach Goethe nennt. Bereits mit dem Untertitel „Kunstwerk des Lebens“ wird deutlich, dass nicht nur Goethe-Anhänger, Germanisten oder Theaterwissenschaftler an diesem Werk Freude finden können, sondern grundsätzlich jeder, der über eine gewisse geistige Grundreife verfügt und ein Interesse an der Optimierung des eigenen Lebens mitbringt. Es ist  nicht einmal notwendig vorab viel von Goethe gelesen haben zu müssen, denn spätestens während der Lektüre dieser Biographie wird der Drang aufkeimen mehr zu wollen und bevor man sich versieht, liegt man mit dem Tasso am Fuße des Vesuv. Safranski gelingt dieser Drahtseilakt sowohl den Laien einzuführen als auch dem Liebhaber neue Zusammenhänge zu eröffnen. Ein jeder sucht sich eben, was ihn bereichert und jeder wird fündig werden. Und fast nebenbei bekommt der Leser eine halbe Lehrbuchsammlung an geisteswissenschaftlichem, philosophischem, literaturtheoretischem und naturwissenschaftlichem Grundwissen mitgeliefert, ohne dass es sich einem schulmeisterisch aufdrängt, denn der erfahrene Schriftsteller versteht sich sehr gut darin diese Informastionen schelmisch in die Fiktion zu verweben, der man verfällt. Am Beispiel eines Universalgenies entschlüsselt dieses Buch den Code für ein in so vielerlei Hinsicht gelungenes Leben.


Happy Birthday.

Links:
Safranski/Hanser Verlag
Klassikstiftung Weimar

3 Gedanken zu „Kunstwerk Biographie – Rüdiger Safranskis Portrait des Immerbewegten (Fazit)

  1. Pingback: Kunstwerk Biographie – Rüdiger Safranskis Portrait des Immerbewegten (Teil I) | Euphorion

  2. Pingback: Kunstwerk Biographie – Rüdiger Safranskis Portrait des Immerbewegten (Teil II) | Euphorion

  3. Pingback: Kunstwerk Biographie – Rüdiger Safranskis Portrait des Immerbewegten (Teil III) | Euphorion

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