Die Stille und der Wolf

Schwierige Zeiten. Da sind sich alle einig in ihrer Uneinigkeit. Eine Welle der Trauer und Empörung, des Krieges und Hasses, des Menschlichen und Allzumenschlichen jagt die nächste. Hierzulande sind die Menschen im Winter besonders aufgeregt. Im Frühling dann liegen sie auf sattgrünen Grashalmen gebettet im Park und nutzen die leere Zeit dazu aktiv am Smartphone eher urteilsfroh als urteilsstark das Elend in der Welt zu be#twittern. Sie nennen’s Engagement. In Zeiten wie diesen muss man eine Strategie entwickeln, in den richtigen Momenten der Brandung den Rücken zu kehren, um nicht von jeder Welle erfasst zu werden. Am Ende prallen sie, egal wie aufgebauscht sie daherkommen, auf den Strand menschlicher Egozentrik und ziehen nicht mehr als ein bisschen Dreck mit zurück ins bewegte Meer der Einbildungen. Ich sitze also auf dem Trockenen, gestrandet, und traue mich derzeit nicht ins Wasser zurück, denn ich fürchte die tosende Unruhe und die vielen Unterströmungen, die einen schneller in die Ungewissheit ziehen, als einem lieb ist. Habe ich das Meer nicht früher geliebt? Als Kind? Wie ein solches sitze ich nun hier, bockig und angewidert und denke: ich spiel nicht mehr mit! Ich weigere mich meine Achtung und vor allem Beachtung anderen Themen zu widmen als solchen, die mich erfreuen und erfüllen, mich innerlich bereichern und beglücken. Wie egozentrisch ist das? Ich lerne zu ignorieren, Gott was für ein Segen, und stehe kurz davor mich in den herrlich lauwarmen Tümpel der Gleichgültigkeit zu stürzen und mich damit abzufinden, dass wir es wohl, um einen berühmten Leipziger zu bemühen, mit der besten aller möglichen Welten zu tun haben.

die-stille-und-der-wolfIn solchen Momenten ist es wichtig ein Ass im Ärmel zu haben – einen Anker, eine Erinnerung an alles Gute und Schöne, das das Menschsein auch mit sich bringt.
Gesellschaftlicher Wellnessurlaub direkt aus dem Bücherregal sozusagen. „Die Stille und der Wolf“ ist eine Essaysammlung des seit vielen Jahren in Leipzig lehrenden Anglisten Prof. Elmar Schenkel. Weiterlesen

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„Nicht für jedermann: Grenzen“

Hermann Hesse genießt nun bereits seit mehreren Monaten meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich verfolge derzeit seine Texte, seine Gedanken, seinen Weg mit einem Blick fürs Detail wie es mir vorab nur selten gelungen ist. Ich selbst fühle mich durch die Lektüre seiner Romane, Erzählungen, Essays und vor allem Briefe seit Wochen gehemmt selbst produktiv zu werden. All meine mehr oder weniger gelungenen Schreibübungen galten der Vorbereitung auf ein größeres Ganzes, ein eigenes Werk, in welchem es irgendwann gelingen sollte auf fiktionalem Wege den Ausgang jenes kunterbunten Irrgartens zu finden, den ich mein Leben nenne. Hier finde ich nun, was mir selbst hätte irgendwann gelingen sollen. Weiterlesen

Wie alt bist du?

Alter ist ein interessantes Thema, wie ich finde. Biologisch gesehen kann man da nicht viel schön reden, das beweist der morgendliche Blick in den Spiegel, der den Verfall offensichtlich macht; es sei denn man ist clever genug von vornherein die billigste 40 Watt Birne in die verdreckte Deckenlampe zu drehen und auf weiteres Licht zu verzichten. Ganz anders gestaltet sich das Thema, wenn man es soziologisch/psychologisch betrachtet, was ich jetzt mal in üblich amateurhafter Art versuche. Man könnte, wie ich feststelle, die Geschichte jetzt von unterschiedlichen Ausgangspunkten aufrollen, um am Ende immer zu dem Ergebnis zu gelangen, Weiterlesen